Wow! Was für ein dicker phätter Stoff. Aber falsch gedacht - es handelt sich bei dieser Scheibe nicht etwa um Räpp, sondern um Country Music. AMANDA SHAW ist ein Cajun-Girl (sprich: Kej-dschän) aus Louisiana, das auf ihrer Fiddle herum wirbelt wie der Fussballer Lionel Messi durch die gegnerischen Abwehrreihen. Nach dem besinnlichen, 10sekündigen „Intro“ lässt sie mit „Johnny Can’t Dance“ ein bluegrassiges Cajun-Spektakel auf die Menschheit los, das mich fast vom Hocker bläst. Mit fällt es schwer, ruhig sitzen zu bleiben - wenn ich der besungene Johnny wäre, würde ich spätestens jetzt meine Haxen über die Schultern werfen und los toben. Wenn sie singt, hört man ihrer Stimme die Jugend an (sie ist gerade einmal 20 Jahre alt geworden), was dem hier gebotenen 4minütigen Feuerwerk aber nicht abträglich ist.
Der nexte Fetzer lässt nicht lange auf sich warten. „Meek Maids Reel“ ist – wie der Name „Reel“ schon ausdrückt, ein Song, der auf dem irischen/schottischen 2- Step-Tanz basiert, wie er auch durch die europäischen Einwanderer in die Nähe von Louisiana gekommen ist und sich dort mit der Musik der kreolischen Zuwanderer und indigenen Einwohner in den Cajun (oder Zydeco) verwandelt hat. Das instrumentale Stück sieht natürlich Amanda in der Hauptrolle. Und weil diese Scheibe ebenfalls gerade zur “Country CD des Monats” gekürt worden ist, muss sie auch etwas an Vielseitigkeit aufweisen - mit „Mississippi Kid“ gibt es einen groovigen Blues-Rock-Boogie- Stomper. Minimales Drumset, elektrische Gitarre und Violine wechseln sich mit ihren Soli und Licks ab – und „die Kleine“ singt klasse und lässt sogar das „George-Glück’sche“ „Flatter-Vibrato“ durchscheinen. Geiler Song!
Der Rest vom Fest? „That’s It I Quit“ ist louisiana-soulig-bluesig, im starken R&B-zydeco-poppigen “Yes Yes Girl” gibt es sogar zarte (und gute) Rap-Versuche, „What Time You Comin’ Home“ taucht wieder tief ein in bluegrassige Metier. Es gibt auch tolle instrumentale Stücke (das schnelle Southern,-Country-Stück „Blues De La Frontier“, das funky-rockige „Cruise“ und das fusion-jazzige „Git Fiddle“, das allen Fans der Dixie Dregs oder Steve Morse gefallen dürfte. Gitarrist Tim Robertson macht hier wie schon bei allen vorangegangen Songs einen klasse Job!)
In der rootsrockigen Midtempo Ballade „Sweet Honey“ – zeigt die 20jährige, dass sie auch „verdammt“ gefühlvoll spielen kann. Wunderbarer Song. Produziert hat übrigens Trina Shoemaker, die schon auf den Produktionen von Sheryl Crow für tollen Sound gesorgt hat - sie hat Amanda sehr gut beraten in Sachen “Sound & Arrangement”.
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